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Am 16. Februar 1951 wurde Wörgl durch einen Beschluss des Tiroler Landtags zur
Stadt erhoben. Per Gesetzeskundmachung vom 7. April 1951 durfte sich Wörgl
fortan „Stadtgemeinde“ nennen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Häuser und
Straßen instand zu setzen und aktiv an den Feierlichkeiten zu diesem neuen Höhe-
punkt in der politischen Entwicklung der Gemeinde beizutragen. Der Festreigen 
dauerte vom Samstag, 18. bis Sonntag, den 19. August. Bei der feierlichen Stadt-
erhebung wurde neben anderen Ehrengästen auch der damalige Bundespräsident
Theodor Körner von BM Martin Pichler und dem damaligen Kulturausschussobmann
GR Dr. Paul Weitlaner begrüßt. Ein großer Festumzug war der Höhepunkt. 

Dieser Link führt Sie zum Film WIB - Seinerzeit - Stadterhebung

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Bürgermeister Komm.-Rat Martin Pichler bemühte sich als Vizepräsident des Tiroler Landtags um die Erhebung Wörgls zur Stadt. Der Gemeinderat der Marktgemeinde Wörgl beschloss nach langen Debatten am 6. Februar 1951, formell den Antrag auf Erhebung zur Stadt beim Tiroler Landtag einzubringen.
Im Gemeinderat hielten Bürgermeister Martin Pichler (ÖVP, Vizepräsident des Tiroler Landtags), Vizebürgermeister Johann Astl (SPÖ, Abg. z. Nationalrat), Vorstandsmitglied Josef Leitner (SPÖ, Abg. zum Tiroler Landtag) und Gemeinderat Dr. Paul Weitlaner (ÖVP) grundsätzliche Referate zum Thema, bevor man allgemein darüber diskutierte. Bedenken mancher Mandatare gingen vor allem in die Richtung, dass Wörgl eher dörflichen Charakter hätte und man fürchtete, dadurch finanzielle Nachteile zu erleiden. Schließlich beschloss man aber bei nur einer Gegenstimme durch den Abg. Leitner, den Antrag des Bürgermeisters zu unterstützen.
Nur 40 Jahre war Wörgl eine "Marktgemeinde", bis es am 16. Februar 1951 offiziell zur Stadt erhoben wurde. Diese Auszeichnung erfolgte diesmal nicht durch kaiserliches Dekret sondern durch Beschluss des Tiroler Landtags.
Die Stadterhebungsfeier fand am 19. August unter großer Anteilnahme statt. An der Spitze der Gästeliste stand Bundespräsident Dr. Theodor Körner persönlich, der protokollgemäß am erst wenige Monate zuvor eröffneten neuen Wörgler Bahnhof offiziell empfangen wurde.

Quelle:
• Josef Zangerl - Wörgl - Ein Heimatbuch

Persönlichkeiten
• Bundespräsident Dr. Theodor Körner
• Erzbischof Dr. Andreas Rohracher
• Bürgermeister KR Martin Pichler
• Landtagspräsident Johann Obermoser
• Landeshauptmannstellvertreter Josef Anton Mayr
• GR Dr. Paul Weitlaner
Beschreibung
Nachdem der Tiroler Landtag die Marktgemeinde Wörgl auf deren Antrag mit Beschluss vom 16. Februar 1951 zur Stadt erhoben hatte, wurde dieser Meilenstein der Wörgler Kommunalentwicklung vom 17. bis zum 19. August (Freitagabend bis Sonntag) anlassgemäß gefeiert.
Am Freitagabend eröffnete die Musikkapelle Kundl unter der Leitung von Kapellmeister Rudi Jesacher den Festreigen mit einem Konzert, das getrübt war durch die Tatsache, dass am Vortrag (16. Februar 1951) Kundl durch ein Hochwasserereignis aus der Kundler Klamm hart getroffen wurde, bei dem die Feuerwehren der Umgebung, darunter auch Wörgl, alle Hände voll zu tun hatten.
Am Samstag eröffnete Bgm. Pichler die Ausstellung des diskutierten Stadtverbauungsplanes von Dipl.-Ing. Wachter und anschließend die Ausstellung von Kunstwerken der heimischen Künstler Prof. Franz Schunbach, Lisa Albertini, Franz Erker, Grader aus Kirchbichl, Frau Radler, Josef Ralser, Lia Unterguggenberger, Josef Koidl, Eugen Buelacher, Wilfried Kirschl, Wendelin Deiser sowie Max Moritz. Die Begrüßung machte Hauptschuldirektor Ernst Ascher.
Am Samstagabend legte der Bürgermeister in einer Gedenkfeier für die Gefallenen und Bombenopfer im alten Friedhof einen Kranz nieder. Um 20:00 Uhr gab die Eisenbahner-Musikkapelle unter Leitung von Hans Tummer, welche 1951 gleichzeitig ihr 50-Jahr-Jubiläum feiern durfte, und der Wörgler Jungchor ein Konzert am Andreas-Hofer-Platz. Zum Abschluss erlebten die tausenden Besucher am Spielplatz der Hauptschule ein herrliches Feuerwerk.
Am Sonntag Morgen um Punkt 8:00 Uhr wurde das österreichische Staatsoberhaupt, Bundespräsident Dr. Theodor Körner am nicht einmal ein Jahr vorher eröffneten neuen Wörgler Bahnhof feierlich empfangen. Die zwei Wörgler Schüler Anni Eder (heute Ladstätter) und Peter Brandl, Sohn des Wörgler Primars Dr. Brandl, begrüßten den Präsidenten mit folgendem Gedicht, das die damalige Hauptschullehrerin Emma Buratti geschrieben hatte:
Peter:
Herr Bundespräsident willkommen!
Es is für uns a große Ehr',
daß Es die Fahrt habt's unternommen
z'weitigst von Wean nach Wörgl her,
in unser schöns Tirolerlandl,
in d'jüngste Stadt von Österreich,
Groß is's ja net und a net prächtig,
und manche sag'n, sie schaugt nix gleich.
Mia send decht stolz auf's neue Stadtl,
es greit und richtig und i moan,
alls auf der Welt braucht halt a Zeitl,
und Wean war a amoi recht kloan.
Anni:
Wer nach'n Kriag sich unser Stadtl
in Schutt und Trümmer hat betracht',
muaß ietz wohl sagen: brav es Wörgler,
es habt's a ganz Arbeit gmacht!
Viel Plag hat's kost' und a viel Sorgen,
Geld a net wenig, leicht z'vasteh'n,
der neue Bahnhof, d' Straß'n, d' Häuser,
alls wieder sauber, schmuck und schön!
Herr Bundespräsident, wir grüaß'
Enk herzlich und auf's allerbest!
Die Fahnen weh'n, die Böller schiaß'n
und laden ein zum frohen Fest.

Anschließend bestand der BP darauf, zu Fuß durch die festlich geschmückte Bahnhofstraße zur Kirche zu gehen. Dort zelebrierte der Salzburger Fürsterzbischof Dr. Andreas Rohracher die Festmesse. Das Pontifikalamt wurde feierlich umrahmt vom von Alois Rom geleiteten Jungchor mit dem Wörgler Streicher-Orchester unter der Leitung von Rudolf Dworak, den beiden Kirchenchören aus Wörgl und Kirchbichl und den Haselsteinerdirndln.
Um 11:00 Uhr fand im Astnersaal eine öffentliche Festsitzung des Gemeinderates statt, wobei der Bürgermeister, der Landtagspräsident Johann Obermoser, Landeshauptmannstellvertreter Josef Anton Mayr und der Bundespräsident die Entwicklung der jüngsten Stadt Österreichs würdigten und mit Glückwünschen nicht sparten.
Beim anschließenden Festbankett beim Gradl in der "Neuen Post" waren nicht weniger als 129 Ehrengäste geladen. Wirtin Rosa Lenk hatte folgendes Menü vorbereitet: Kraftbrühe mit gebackenen Erbsen, gespickter Kalbsschlögl in Rahmsauce mit Butterreis und gemischtem Salat, Wiener Backhuhn mit gemischtem Kompott, Obst, Mokka, Weißwein, Rotwein, Sekt.
Danach fand der akribisch vorbereitete große Festumzug durch die herausgeputzte Stadt statt. 112 Gruppen, davon 40 aus Wörgl selbst, nahmen daran teil und repräsentierten alle Facetten der jungen Stadtgemeinde: Ländliche Vorreiter, Wappenträger, römische Soldaten, Kaiser Max mit Gefolge, Bilder aus dem Bauernkrieg von 1525, Bader aus 1630, Landsknechte aus 1680, eine Postkutsche aus 1780 mit Frauen in Rokoko, Schützenhauptleute sowie Bayern und Franzosen aus 1809 usw. bis zur jüngsten Geschichte vor und nach dem 2. Weltkrieg (Südtiroler Gruppe und Siebenbürger Sachsen), und natürlich durfte dabei die Betonung Wörgls als Eisenbahnknotenpunkt nicht fehlen.
30 Polizisten waren dem Wörgler Postkommandanten Rev.Insp. Friedrich Zenz neben den aktiven Feuerwehrmännern zur Sicherung des Festes zugeteilt worden. Der Festreigen war jedoch unter der Oberhoheit von Kulturausschussobmann GR Dr. Paul Weitlaner perfekt vorbereitet und verlief mit rund 30.000 Besuchern ohne irgendwelche Zwischenfälle.
Bürgermeister Martin Pichler betonte in seiner Rede als Kernaussage: "Mein innigster Wunsch ist es, unsere junge Stadt möge den friedlichen Geist der Eintracht als Wiegengeschenk von der bisherigen Marktgemeinde mit übernehmen und auf diesem Grundstein die Zukunft des neuen Gemeinwesens errichten."

Quelle:
• Hans Bramböck - 35 Jahre Stadt Wörgl