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Die Josef-und-Georg-Rainer-Straße verbindet die Klemens-Payr-Straße mit der
Peter-Stöckl-Straße und bildet so ein Geviert um die Wörgler Freiheitskämpfer
von 1809. Sie ist als Einbahnstraße in diese Richtung ausgestaltet.
Josef Rainer und Georg Rainer waren Brüder, die sich im Freiheitskampf von
1809 besonders verdient gemacht haben.
Joseph Rainer wurde am 19. Mai 1759 als Sohn des Wirtes und Gutsbesitzers
Georg Rainer und der Maria Hueberin in Pinnersdorf geboren. Joseph wurde
später Wirt und Postmeister beim Neumaier in Söll.

Als im Jahr 1797 Graf Tannenberg die Kufsteiner Schützen zur Teilnahme an
den Kämpfen in Südtirol aufforderte, sammelte Rainer eine Kompanie,
die größtenteils aus Söllandlern bestand. Vom 17. Februar bis zum
14. März kämpfte er mit seiner Sturmmannschaft bei Sporminore und
Cavedago im Nonstal. Am 24. März kam er wieder wohlbehalten in seiner
Heimat an und wurde 1798 mit der landesfürstlichen goldenen Ehrenmedaille
ausgezeichnet. 1799 hielt Rainer bei Thierberg und Kiechelstieg mit seiner
Kompanie Grenzwache gegen die anstürmenden Feinde.

1809 zog er nach St. Johann und Waidring, im selben Jahr treffen wir ihn
mit seiner Kompanie auch vor Kufstein, wie aus dem folgenden Schreiben
Rainers an Wintersteller hervorgeht:

An Herrn Hauptmann Wintersteller an der Sparchen.

"Das Große Geschütz Sollte heit gewis ankommen. Wir send heit aufgeruffen
worden mit 120 Mann. Die zwey Kunon et zwey Pulverwagen wollen wir auf
die Hochwacht aufziehen, dann werden Glühige Kugeln gossen damit die
Föstung Unzunden und Eropert."

Lochnra, den 21. Aprill 1809. Jos. Rainer Hauptmann

Rainers Mannschaft leistete am 13. Mai bei Kiefer dem Feind starken
Widerstand, sie konnten sich jedoch gegen die anstürmenden Truppenmassen
des Generals Deroy nicht halten. Nach der Einschließung der Festung
Kufstein vom 23. bis 26. Juli löste sich die Kompanie auf und Rainer
kehrte nach Söll zurück.

Sein Hauswesen hatte in den Kriegstagen schwer gelitten, da es die
feindlichen Truppen auf ihn besonders abgesehen hatten. Durch Fleiß
und Arbeitsamkeit wusste er das Verlorene bald wieder zu gewinnen und
sein Haus zu einem der wohlhabendsten wie ehemals zu machen.

Joseph Rainer starb am 31. März 1825 in Söll. 1899 wurde ihm von seinen
Sölllandlern am Wirtshaus beim Neumaier eine Gedenktafel errichtet.
Die Stadt Wörgl hat nach ihm und seinem Bruder Georg Rainer eine
Straße benannt.

Georg Rainer wurde am 7. September 1761 als Bruder von Joseph Rainer
und zweiter Sohn des Georg Rainer und der Maria Hueberin zu Pinnersdorf
geboren und übernahm von seinem Vater das Wirtsgeschäft und die damit
verbundene Bauernschaft unter günstigen Verhältnissen.
Bereits sein Vater hatte das Anwesen durch Fleiß und Verstädnis zu
Wohlstand gebracht. Am 22. November 1792 vermählte sich der
Einunddreißigjährige mit Katharina Pierzinger, einer Wirtstochter
von Bichlwang in Kirchbichl.

1799 zog Rainer mit seiner Sturmmannschaft ins Engadin. Von seiner
Frömmigkeit legt ein Gesuch an die landesfürstliche Deputation in
Innsbruck Zeugnis ab, worin er im Namen seiner Kompanie um Überlassung
eines Messkleides, eines Kelches und eines Altare portatile
(tragbarer Altar) bittet, damit ihr Feldpater im Engadin an Sonntagen
Gottesdienst halten könne. Rainer verpflichtete sich gegenüber der
landesfürstlichen Deputation, die kirchlichen Paramente bei seiner
Rückkehr zurück zu erstatten und wenn das nicht möglich sein sollte,
hiefür eine Vergütung zu leisten.

Bei Wiederausbruch des Krieges rückte Rainer mit seiner Mannschaft
nach Kufstein und focht am Thierberg. Durch seine Tapferkeit hatte
Rainer die Zuneigung der Schützen gewonnen, die auf seinen Befehl,
wenn es Not tat, sich jedesmal in kürzester Frist unter seinem Kommando
vereinigten.

In der zweiten Hälfte des Monats Mai rückte Rainer freiwillig mit
seiner Kompanie aus, wie aus dem nachfolgenden Schreiben des
Schützenmajors Sieberer hervorgeht:

An Herrn Hauptmann J. Georg Rainer

"Der Hauptmann Rainer kann mit seiner unterhabenten Compagnie,
welche einswellen freuwillig zur Eilligsten Besetzung der
vorteilhaftesten Posten ausgezohen ist, den 13. d. M. um eine
andere Compagnie aurücken zu machen, den Märsch nach hause antretten
und kann in dessen, wenn keine grosse Feindes gefahr inzwischen
eintretten sollte, dieser Posten von dennen zwei anstossenten
Hauptleuten Reisch und Wieshofer längstens 5 oder 6 Tage Besetzet
werden, weil unfählbar nach solcher zeit, die Compagnie, so errichtet
wird dissen Posten Besetzen werde, auch wird die geleistete 15 tögige
Dienstzeit der einrückenten Compagnie zu gueten in abschlag gerechnet
werden.

Landl, den 5. Juni 1800, Jakob Sieberer, Distrikts-Comandant."

In der Gemeinde galt er fortan als Vertrauensmann des Volkes.
Am 13 April 1809 reiste er mit seinem wackeren Freund, dem damaligen
Postmeister zu Wörgl, mit Christoph Mayr, den kaiserlichen Truppen,
die zur Unterstützung der Tiroler anzogen, nach St. Johann entgegen,
um sie im Namen der Landesverteidiger zu begrüßen. In St. Johann waren
damals 900 Mann mit Oberstleutnant Reichenfeld marschbereit zum
Aufbruch nach Wörgl. Derselbe empfing die Abgesandten in wohlwollendster
Weise und versprach am nächsten Tag, auf Mittag bereits nach Wörgl zu
kommen. Noch am selben Tag kehrte Rainer zurück, schrieb an den Haller
Kronenwirt Straub, dass am 14. April wieder die kaiserlichen Truppen in
Wörgl eintreffen. Der Brief sei des Interesses halber teilweise
wörtlich wiedergegeben:

"Morgen werden die k. k. Truppen mit aller möglichen Feierlichkeit
in Wörgl empfangen werden. Es werden auch Pöllerschüsse gegeben,
die Landesverteidiger haben sich über diese Schüsse, wenn sie sie hören,
nicht aufzuhalten, so viel zur wahren Nachricht. Macht es allen
Landesverteidigern kund und laß diese Nachricht bis Innsbruck durch
Ordonnanzen ohne Aufenthalt laufen, jeder Anführer verschließe es
wieder und schicke es bis zum andern bis Innsbruck."

Pinerstorf, 13. April, 11¾ Uhr nachts.
Georg Rainer

Dieser Brief des heldenhaften Mannes an Straub zeigt Rainer in voller
Zuversicht für die Zukunft. Und einen Monat später ward bereits das
unglückliche Treffen bei Wörgl geschlagen. Rainer wurde wohl arg
enttäuscht durch den 13. Mai 1809. Zudem hatten es die bayerischen
Truppen auf ihn besonders abgesehen. Sein Haus wurde geplündert und
er erlitt nach der amtlichen Schätzung einen Schaden von 1023 fl.
an der Wirtschaft und 638 fl. an Effekten. Seine erste Gattin,
mit der er in glücklicher Ehe gelebt hatte, war gestorben und Rainer
vermählte sich im Mai 1811 mit Elisabeth Lindner, einer Tochter des
Riederbauern Josef Lindner im Wörgler Boden.

Rainer hatte in den Kriegsjahren an seinem Hauswesen so großen
Schaden erlitten, dass von der einstmaligen Wohlhabenheit nicht
mehr viel übrig blieb. Einer Überlieferung nach war dies eine
Folge davon, dass er sich gegen Gott versündigt hatte.
Deshalb bauten seine Nachkommen eine Kapelle in Pinnersdorf.

1816 wurde er mit der mittleren goldenen Ehrenmedaille ausgezeichnet
und 1819 mit einer Gnadengabe von 150 fl. beteilt.

Rainer starb am 28. November 1831, 10 Uhr vormittags.
Er zählt zu den wenigen, vielleicht beinahe zum einzigen
Schützenhauptmann aus der Heldenzeit Tirols, dem keine besondere
Ehrung zuteil ward.

Anno dazumal, als der Ruf zur Verteidigung des Heimatlandes über
Berg und Tal erscholl, wuchsen Helden aus diesem Boden.
Da kamen sie, die von Mühlstett, von Haus, von Einöd,
vom Waller und von Mairhofen zu ihrem Führer dem Pinerstorfer Wirt
und stählten ihren Mut und holten Begeisterung an seiner
Vaterlandsliebe und Tapferkeit.

Rainer hat viel geopfert. Wer hat es ihm gedankt?
Rings um Pinerstorf liegen umsäumt von Kornfeldern stattliche Gehöfte,
und der Boden gewährt Brot in Menge. Sonnverbrannt lugen die
Bauernhäuser aus den Obstgärten hervor. Wenn du zur Feierabendszeit
in Feierabendstunden durch den Wörgler Boden wanderst,
sitzen die Leute vor dem Hause und erzählen vom Segen,
der über ihren Fluren waltet oder Geschichten aus alter Zeit.
Geselle dich hinzu und erzähle ihnen von ihrem Helden Georg Rainer,
Wirt zu Pinerstorf, und sie danken's dir - es rollt ja Blut derer
von dazumal in ihren Adern.