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100 Jahre Morandell

Unter dem Motto „Einhundert Jahre Leidenschaft für Wein und Genuss“ feiert das in Wörgl-Boden ansässige Familienunternehmen dieses in unserer schnelllebigen Zeit nicht alltägliche Firmenjubiläum.

Die Entwicklung des Unternehmens bis zur heutigen Größe kann der Homepage (www.morandell.com) oder dem Buch Bruckhäusl von Thomas Gasteiger/Veronika Spielbichler entnommen werden.

In diesem Artikel soll auf die Anfänge eingegangen werden: Die Geschichte der Winzerfamilie Morandell beginnt in Kaltern in Südtirol, wo schon in der Zeit um 1600 der Name Morandell der häufigste Familienname war (Zeitschrift: die weinstrasse Jänner 2010).

Das Original-Familienwappen aus dem Jahr 1552 findet sich im Ferdinandeum und strahlt mit den drei Löwen Kraft und Größe aus.

a Wappen 1145

Naturkatastrophen führen zur Gründung der ersten Kalterer Weingenossenschaft im Jahr 1900 – unter ihnen der 16jährige Alois Morandell. Er heiratet 1912 Anna Wurz und das Paar bekommt drei Söhne: Adolf kommt in Kaltern zur Welt, Rudolf und Alois jun. in Wörgl.

a Familienfoto 1962
Goldene Hochzeit von Anna und Alois im Jahr 1962 mit den Söhnen Rudolf
(sitzend rechts), Alois jun. (sitzend links) und Adolf (hinten 2.v.re);
rechts neben ihm Neffe Peter, dessen Bruder Rudolf jun. hinten 2.v.l.

Der Erste Weltkrieg bringt einschneidende Veränderungen: Alois gerät in russische Kriegsgefangenschaft und ihre Heimat Südtirol ist Teil Italiens geworden.

Die Winzer haben plötzlich große Konkurrenz im neuen eigenen Land und die altangestammten Absatzgebiete in Österreich-Ungarn gehen verloren. Die wirtschaftlichen Aussichten sind düster, und so zieht Alois mit seiner Familie über den Brenner, um in Wörgl den unter dem Namen „Keiler“ bekannten Gasthof zu kaufen und in „Gasthof Morandell“ umzutaufen.

Dieser Artikel im Tiroler Grenzboten vom Jänner 1920 veranschaulicht die Voreingenommenheit gegenüber Zuwanderern aus Italien:

a Tiroler Grenzbote


Der Gasthof entwickelte sich aber rasch zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Ortes, im Bacchuskeller wurden zahlreiche Theateraufführungen, Bälle und Feste gefeiert. Bereits 1925 wird im Grenzboten von einem „Zimmergewehrschießen“ berichtet. 

a Gasthof
1965: Weinhandel und Gasthof (rechts)

Ein Freund des Hauses empfiehlt Alois, aus seinem Know-how und seinen Bezugsquellen Kapital zu schlagen und den Weinhandel aufzunehmen.

Nach Erhalt des Gewerbescheines durch die Bezirkshauptmannschaft Kufstein im Jahre 1926 nehmen Anna und Alois Morandell einen konzessionierten Weinhandel samt Destillerie auf.

Der Betrieb kommt gut durch die turbulente Zeit des 2. Weltkrieges. In der Nachkriegszeit, geprägt von Armut und Mangel, bietet ein Glas guten Weins nach wie vor einen Genuss, den die bescheidenen Verhältnisse womöglich noch steigern. Und so läuft der Weingroßhandel Alois Morandell ruhiger, aber eben doch weiter.  

1947 übernimmt Rudolf die Geschäftsführung. Er versteht es, die österr.-ital. Entspannungspolitik zu nutzen und macht seine Firma zu Österreichs größtem Weinexporteur.

Mit dem Neubau von Keller, Lager und Büros am Betriebsstandort neben dem Gasthof wird 1949 ein unübersehbares erstes Zeichen für den Aufbruch gesetzt.

Es folgen Investitionen in Lager, Abfüllanlagen und Büros, aber auch das Sortiment wird neben Spitzenweinen aus Österreich, Italien und Frankreich mit Spirituosen, Sekt, Schaumwein und Bier nachhaltig ausgeweitet und damit neue Absatzmärkte erschlossen.

1979 übernehmen die Brüder Peter und Rudolf jun. das Handelshaus und führen es geschickt in neue Höhen, ehe im Jahre 1985 ein schwerer Schlag das Unternehmen trifft:  Einige Winzer in Ostösterreich haben ihren Wein verbotenerweise mit Diethylenglykol gesüßt, die Fa. Morandell muss 2 Millionen Liter Wein entsorgen und erleidet einen entsprechend hohen Schaden.

Bei Morandell entscheidet man sich für einen Neuanfang mit Österreichs junger Winzergeneration.

Die seit Jahrzehnten zufriedenen Kunden blieben der Firma treu und so ging das Unternehmen konsequent den Weg der Verlässlichkeit und Qualitätstreue bis zu seiner heutigen Größe und Bedeutung.

a 3
Die dritte und vierte Generation:
Peter, Rudolf, Christoph und Mario Morandell

Gründlich eingearbeitet übernehmen die Cousins Christoph und Mario Morandell von ihren Vätern die Geschäftsführung und setzen darauf, den Kunden mit Fairness zu begegnen und den loyalen und kompetenten Mitarbeitern ein Umfeld zum Wohlfühlen zu bieten.

Quelle:
Festschrift 100 Jahre Morandell, 2026

Kontakt: Stadtchronist Toni Scharnagl, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.