Ein Auszug aus dem Buch - Wörgl Ein Heimatbuch von Josef Zangerl, Text von Hans Gwiggner
Herr Johann Georg Andree, Wirt und Gastgeb bey dem Kögl, besitzt die sogenannte Kögl Wirtstaferne im Dorf Wörgl. Ein Haus, durchaus gemauert, von 3 Stockwerk hoch mit 10 Stuben, 1 Kuchen, 11 Käm¬mer und 3 Keller, bezeichnet mit Nr. 37, Kat. Nr. 47, in Grund 112 KI. die Gastwirtsgerechtigkeit ausgeübt wird. Samt linker Hand davon stehendem gezimmerten Gehöft das ist ein Remwerk und Fuhrstallungen, unterher gemauert, im Platz 73 KI. ausmachent dann der hinter obgemelter Wirtsbehausung oder Taferne liegenden Neubau genannt, bestehend aus 1 Kammer, und 1 Küchlein wo sich unterher ein Getreide¬kasten, auch hinterher eine Heueinlage samt Stallung befindet, im Platz 46 KI. Item ein eingezäunter Anger von dem Neubau hinaus mit einigen Obstbäumen besetzet, haltet22 KI. und 1 Bießgartl vordem Wirts¬haus so auf 3 Seiten mit Mauern umfangen, begreift 36 KI. 5 Schuh. Beinächst in obigen Anger stehenden Backofen und bei dem Brunnen sich erhaltenter Sechtlstatt.
Bp. 67/1. Frei. 1479 weist die Kirchpropstrechnung anläßlich des Kirchenneubaues mehrere Posten auf, die dem Saxstetter für die Verpflegung der Handwerker und der Priester anläßlich der Kirchweihe zu zahlen waren. Der Saxstetter scheint auch im Grabensteuerverzeichnis von 1480 auf. 1615 vermerkt der Wiert und Gastgeb Hanns Retenmoser, daß er 15 Personen in seinem Haus zu erhalten hat. 1622 stieg Kaiser Ferdinand II. mit Gemahlin Eleonore, Herzogin von Mantua, anläßlich der Heimreise von der Hochzeit in Innsbruck in diesem großen Gasthof ab. 1649 war Veit Egger Wirt und bekam bei der Waldverteilung am Wörgler Berg das erste Luß zu seinem an¬derthalb Lechen zugeteilt. Das Urbar von 1675 vermerkt Andrä Kögl als Besitzer der Wirtstafern und des ganzen Rappoltlehens. Er war als Gerichtsausschuß der wichtigste Mann in der Schranne Kirchbichl. 1703 erbt sein Bruder Anton beide Anwesen und verkauft 1714 das Rappoltlehen an den Bestandsmann Balthasar Schröckher. 1733 kommt es wieder an seine Witwe Ursula Pichlerin, vom Kammerhof in Angath stammend, zurück. 1739 sieht sich der erst 23jährige Erbe beider Güter, Anton Kögl, aus finanziellen Zwängen genötigt, den großen Besitzstand an seinen Schwager Anton Andre, Wirt und Gastgeb zu Pichlwang, zu übergeben. Anton Andre ist auch Gerichtsausschuß, und sein Sohn Johann Georg Andre ist ab 1786 Inhaber der neu errichteten Poststation in einem kleinen Nebengebäude westlich des Gasthauses. In diesem Holzgebäude hinter dem Gastgarten war im 20. Jahrhundert die Handlung Gratt untergebracht. Garten und Gebäude sind inzwischen durch einen Neubau am Beginn der Bahnhofstraße ersetzt. Die oben angeführten Fuhrstallungen im Bereich Salzburger Straße 2 und 4 dienten auch als Pferdewechselstation für die Postkutschen. 1811 kaufte der von Pinnersdorf stammende Josef Rainer, Neumairwirt zu Söll, vom Posthalter Christoph Mayr um 19.150 Gulden seinem jüngeren Sohn Nikolaus die Köglwirtstafern. Und ab 1812 war sein älterer Sohn Josef Rainer Posthalter und 1820 auch k. k. Schiffsmeister in Wörgl. 1824 wurde dessen Schwager Josef Hörbiger Postmeister und 1848 Johann Waltl, der das Postamt später zu den Fuhrstallungen verlegte. Am 31. März 1891 übernahm Kreszenz Waltl das Postamt und verlegte es nach ihrer Verehelichung mit Hans Lechner ins gegenüberliegende Gasthaus „Hohe Salve” ihres Gatten. 1892 kaufte Josef Steinbacher aus Schwoich, der spätere Bürgermeister, das große alte Gasthaus und verkaufte es bereits 1897 an Johann Hetzenauer. Von diesem erwarb es 1901 Jakob Astner, der es in einem sehr repräsentativen Stil neu erbauen ließ. Der angebaute Astnersaal war lange Zeit der größte Saal im Tiroler Unterland. Das nunmehrige Hotel „Alte Post" ist im Besitz der Familie Silberberger und heißt im Volksmund weiterhin „beim Astner".