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Bürgerkrieg 1934

Der traurigste Faschingsdienstag…

 In den Morgenstunden des 12. Februar 1934 durchsucht die Polizei das Linzer sozialdemokratische Parteisekretariat im „Hotel Schiff“ nach Waffen. Mitglieder des bereits verbotenen sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbunds wehren sich und eröffnen das Feuer. Es ist der erste Akt eines Bürgerkrieges, der in nur drei Tagen mehr als 300 Tote und 800 Verletzte fordern sollte. Es ist der Auftakt zum endgültigen Untergang der 1. Republik.

Der Widerstand gegen die Entwaffnung in Linz sprach sich sehr schnell herum, und fiel vielerorts auf fruchtbaren Boden, darunter als westlichsten Schauplatz auf Wörgl und seine Umgebung; warum gerade in dieser Gegend? Die Auswirkungen der Welt-Wirtschaftskrise waren in den Industrieorten Wörgl, Kirchbichl und Häring besonders dramatisch.

Als im März 1931 die Cellulosefabrik in Wörgl sowie das Egger-Lüthi-Werk in Kirchbichl infolge der wirtschaftlichen Krise stillgelegt wurden, war ein großer Teil der Bevölkerung ohne Arbeit und Verdienst und ohne soziale Absicherung.

Cellulosefabrik
Cellulosefabrik

Das in Linz entfachte Feuer griff am 13. Februar 1934 – dem Faschingsdienstag – auch auf den Raum Wörgl über.  Die im Parteiheim „Gasthof zur Rose“ versammelten Schutzbündler unter Führung von Johann Lenk lehnten eine Kapitulation mit dem Wissen ab, dass sich eine von Johann Astl mobilisierte

Abordnung aus Häring und Kirchbichl auf dem Vormarsch nach Wörgl befindet.

Beim Versuch des Bundesheeres, das Vordringen der Schutzbündler zu verhindern, kam es im Bereich der Rendlbrücke, auf dem Gelände der Cellulosefabrik und später im Kirchbichler Ortsteil Gasteig zu Schusswechseln, die durch die Intervention des Kooperators Franz Wesenauer und des Wörgler Bürgermeisters Michael Unterguggenberger beendet wurden.

Johann Lenk
Johann Lenk

Franz Wesenauer
Koop. Franz Wesenauer

Johann Lenk wurde verletzt und ergab sich, das Arbeiterheim wurde besetzt und die vorgefundenen Waffen und Sprengmittel beschlagnahmt.

Gegen zwölf Beteiligte wurde wegen „Zusammenrottung mit dem Ziel des gewaltsamen Widerstands gegen die Obrigkeit“ Anklage erhoben und am 20. April 1934 ergingen die Urteile: drei Jahre Kerker für Lenk, ein Jahr für Astl und Haftstrafen zwischen 6 und 14 Monate für die anderen Beteiligten. Zur Beruhigung der Arbeiterschaft wurde im Zuge einer Gnadenaktion Hans Lenk als letzter Tiroler Verurteilter am 14. Mai 1935 aus der Haft entlassen.

71 streikende Häringer Bergleute verloren für kurze Zeit ihre Arbeit – mit wenigen Ausnahmen Familienväter und langjährige wertvolle Mitarbeiter.

Weitreichende Folgen hatte der Februaraufstand für die Bürgermeister: Die Landesregierung löste mit Kundmachung den Gemeinderat auf und in Wörgl wurde Martin Pichler zum Amtsverwalter bestellt. “Der bisherige Bürgermeister Unterguggenberger, ein ruhiger, besonnener, objektiver Mann, musste die Geschäfte übergeben. Er war wohl auch vielen seiner Genossen zu wenig radikal und tat beim Aufstand nicht mit, sondern versuchte, zu beruhigen.” (Tiroler Sonntagsblatt)

Dank einsichtiger Männer auf beiden Seiten konnte großes Unglück vermieden werden.

Literaturhinweis: Gisela Hormayr, Aufbruch in die “Heimat des Proletariats”, S. 79ff

Stadtchronist Toni Scharnagl / Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Bilder: Stadtarchiv

https://www.doew.at/erinnern/fotos-und-dokumente/1934-1938/februar-1934-in-oberoesterreich

https://www.woergl.at/aktuelles/news/buergerkrieg_1934