Skip to main content

Der Weg vom "Überführer zum Innsteg

„Innfähre im Treibeis“

titelt die Wörgler Rundschau vom Jänner 1970 und berichtet davon, dass während der großen Kälte das Treibeis nachts den Haken, mit dem das Boot mit dem Seil verbunden war, herausgerissen hat und das Boot ein Stück im Inn abgetrieben wurde. Beherzte Männer haben es aus dem Eis herausgearbeitet und wieder in das Innwasser gebracht. Diese Arbeit war nicht ungefährlich, rutschte doch ein Mann aus und stürzte in eine Eisspalte. Er konnte sofort gerettet werden.

Der in Wörgl ansässige Maler Franz Schunbach beobachtete die Männer bei dieser mühseligen Arbeit und hielt das Geschehen in einer Zeichnung für die Leser der Rundschau fest.

a Innfaehre im Treibeis

Innfähren, landläufig „Überfuhren“ genannt, erfüllten in unserer Gegend seit dem 16. Jhdt. den Zweck der Personenbeförderung zwischen den Orten dies- und jenseits des Inns.  

Die älteste Verbindung bestand zwischen dem Dorf Angath und dem Giglmair-Bauern an der Stelle, wo später die Innbrücke errichtet wurde.

Eine weitere wichtige Fähre bestand lange Zeit zwischen Aichat und der Angather Mühle.

Einheimische nutzten, meist als Dauergäste, das Verkehrsmittel für den Einkauf  in Wörgl, den Weg zum Bahnhof oder in die Schule. Wörgler und Fremdengäste sahen die Überfuhr als sympathische Attraktion für Ausflüge auf den Angerberg. Das beste Geschäft war aber zur Schneeglöckl-Zeit.

Die Überfuhr in der Nähe der Wörgler-Bach-Mündung wurde am 6. September 1925 von Peter Leiminger eröffnet. Der „Kreither-Peter“ war ein origineller Mann mit saftigen Sprüchen, die für zarte Gemüter nicht unbedingt angenehm waren. Die Frauen, ob vom Bauernstand oder aus noblem Haus, nannte er einfach „Moidl“. Seine gerne zur Schau getragene Grimmigkeit, hinter der sein Humor versteckt war, konnte von denen, die ihn nicht kannten, missverstanden werden. Auf dem sehr gepflegten Platz vor seiner Hütte auf der Angerberger Seite fanden sogar Sommerfeste statt. Es konzertierten die Angather Musikanten und dabei herrschte reger Verkehr zwischen hüben und drüben.

a Leiminger Peter

Peter Leiminger (Bild: Angather Dorfbuch)

a Leiminger Sepp

Sepp Leiminger (Franz Schunbach 1980)

Nach dem Ableben von Peter 1944 übernahm sein Sohn Sepp die Überfuhr. Die Funktionsweise war zwar einfach, der Betrieb aber oftmals mit großen Gefahren verbunden, besonders bei Unwetter, Hochwasser oder Treibeis. Einer außergewöhnlichen Gefahr war Sepp am 23. Februar 1945 ausgesetzt, als er während des Bombenangriffes auf den Wörgler Bahnhof viele auf die linke Innseite flüchtende Leute in der Zille hatte und dabei einige Bomben in der Nähe einschlugen. Die Zille wäre dabei beinahe „versenkt“ worden!

Der Sepp wurde auch nicht jünger und die Leute machten sich Sorgen, wie es mit der letzten Tiroler Innfähre weitergehen soll. Tag für Tag, bei Hitze oder Kälte, immer von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr den Fährdienst zu versehen, fordert seinen Tribut. „Ich mach’s halt solang wie’s geht!“, meinte er auf entsprechende Fragen seiner Fahrgäste.

Dass irgendwann ein Ersatz her muss, war den Gemeindevertretern beider Innseiten klar. Vom ersten Projekt im Jahr 1968, das einen für Traktoren und PKW’s geeigneten Innsteg vorsah bis zur Realisierung war aber noch ein weiter Weg.

Baubeginn war dann im März 1981, finanziert wurde das Projekt vom Land Tirol, den Gemeinden Angath, Angerberg und Breitenbach sowie Stadt und Tourismusverband Wörgl.

Mit der Eröffnung im Mai 1982 wurde die Verbindung zur Wörgler Sonnenseite gesichert und erfreut sich seither großer Beliebtheit.

Der Innsteg und die von der Gemeinde Angath aufgestellte „Ortstafel“ – ein Stein mit dem Gemeindewappen – erinnern heute an die Stelle, wo die letzte Überfuhr durch Peter und Sepp Leiminger über beinahe 60 Jahre die beiden Ufer verbunden hat. Noch länger, nämlich 67 Jahre spielte der „Überführer-Sepp“ bei der Angather Musikkapelle, die ihn zum Ehrenmitglied ernannte. Er verstarb 1984 im Alter von 81 Jahren.

a Innsteg

Innsteg mit Wörgler-Bach-Mündung

b 105 peter laiminger 1910

Peter Leiminger

b 108 peter

Peter Leiminger voll beladen!

b 204 sepp b 206 sepp

Sepp Leiminger kurz vor der Stilllegung,                      Traurig blickt er zurück!

b 207 sepp

Das blieb von der Innfähre!

Kontakt: Stadtchronist Toni Scharnagl, chronist@stadt.woergl.at